Ü b e r s e t z u n g  v o n  J o  S c h u l t h e i s






Das rollende Haus von Raymond Roussel

aus: La Revue du Touring Club de France

 

Wir haben hier nicht die Absicht, den Lesern der Revue des Touring Club de France zu erklären, was Camping ist und auch nicht vor, alle die tiefen Freuden, die es ihren Betreibern erzeugt, aufzuzählen.
   Tatsächlich schildert uns in fast jeder Nummer ein Camper seinen Freudentaumel dabei, wenn er sich in Fahrt begibt, frei, stark, ganz nach seiner Laune anzuhalten in der Nähe eines Baches, auf einer Wiese, einem Feld, in einem Waldstück, um endlich unter dem riesigen Himmelsdach im Schatten eines leichten Zeltes zu Bett zu gehen, weit weg von den anderen Menschen, die in ihren Häusern schlafen.

Abb. 1
Das Wohnmobil

   Wir möchten Sie nur auf eine ungemein durchdachte und komfortable Art, uneingeschränkt Camping zu frönen, aufmerksam machen.
   Herr Baudry de Saunier hat in seinem Buch Die Freude am Campen die Camper in zwei Kategorien unterteilt, die sich gegenseitig sicherlich ein wenig beneiden, die sich aber dennoch mögen, denn sie tragen die gleiche Fahne hoch: den Tribut des Spartanischen und den des Genießers .
   Die Spartanischen sind jene, die sich auf den Weg machen, sei es zu Fuß, sei es mit dem Fahrrad, und dabei ihr Haus auf dem Rücken transportieren (ein Haus aus Stoff, das nicht einmal 10 Kilos wiegt mit allem Zubehör). Das sind die Tapferen, die beherzten Camper.

Abb. 2
Blick in den Salon, ausgestattet mit Spiegel, breiten Fenstern und mit bequemen Mobiliar bestückt.

   Die Genießer hingegen sind jene, die ihr Haus mit dem Automobil transportieren und diese wollen ihr Haus so komfortabel wie nur möglich haben. Sie erwarten, ob tief im Wald oder im freien Feld, die Annehmlichkeiten und vertrauten Vorzüge ihres Heimes wieder zu finden.
   Insbesondere für feine Genießer beschreiben wir das sehr luxuriöse und überaus praktische rollende Haus, entworfen von Raymond Roussel. Der Autor der Impressions d'Afrique, dessen vornehmer Verstand ihn als Genie auszeichnet, hat mit seinen Entwürfen ein Fahrzeug von 9 Metern Länge und 2 Meter 30 Breite ausgestattet.
   Dieses Auto ist ein wirkliches, kleines Haus. Dank seiner erfindungsreichen Anordnung, besteht es aus: einem Salon (Abb. 2), einem kleinen Schlafzimmer (Abb. 3), einem Wohnzimmer (Abb. 4), einem Badezimmer (Abb. 5) und sogar einem kleinen Schlafsaal für das Personal, dass aus drei Personen besteht: (zwei Fahrern und einem Diener).


Abb. 3
Der Salon vorbereitet als Schlafzimmer für die Nacht. Man klappt das Bett heraus, das während des Tages hinter der Wandvertäfelung verborgen bleibt.

   Die Karosserie, hergestellt von Lacoste, ist von großer Eleganz und seine Inneneinrichtung ist sowohl originell wie erfindungsreich. Hier zwei Beispiel: das Schlafzimmer lässt sich bei Tag zu einem Wohnzimmer oder Arbeitszimmer umgestalten. Wohingegen der vordere Bereich (hinter dem Sitz des Fahrers) am Abend zu einem kleinen Zimmer wird, wo es sich die drei Personen, etwas erhöht angebracht, gemütlich machen können und sich auch waschen können (es gibt ein Waschbecken in der Kofferablage, die man links neben dem Sitz des Fahrers und dem Lenkrad sieht. (Abb. 6).
   Die Inneneinrichtung des rollenden Hauses von Raymond Roussel wurde von Maple gefertigt. Es gibt eine elektrische Heizung und einen Benzinofen. Die Badezimmerheizung funktioniert gleichermaßen mit Benzin. Das Mobiliar ist für alle Bedürfnisse ausgerichtet. Es gibt alles bis zu einem großen Wandschrank von Fichet. Eine ausgezeichnete Anlage von T.S.F. erlaubt den Empfang aller europäischen Sendungen.

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Abb. 4
Eine andere Erscheinungsform des Salon-Schlafzimmers: das Arbeitszimmer.

   Diese Beschreibung, einiges sehr kurz, gibt Ihnen einen Einblick dahin, wie diese wahrhaft rollende Villa - die sich noch um eine eindrucksvolle Küche erweitern lässt - es ihrem Eigentümer ermöglicht, auf engstem Raum, alle gewohnten Annehmlichkeiten wieder zu finden.
   Das Fahrgestell, auf dem diese luxuriöse Karosserie montiert ist, wurde von Saurer gefertigt. Auf ebener Strecke beträgt die normale Geschwindigkeit 40 Stundenkilometer. Die stärksten Gefälle sind bedenkenlos zu meistern dank eines Bremskraftverstärkers. Die Lenkung erlaubt einen großen, beachtlichen Einschlag für die Kehrtwendungen im Hochgebirge.

Abb. 5
Das Badezimmer, ein Minimum an Platz mit vielseitigen hygienischen Einrichtungen. Eine Verbindung von Luxus und Schlichtheit.

   Raymond Roussel hat seinen Wohnwagen nicht, wie er freimütig gesteht, entworfen und gebaut, um einer Phantasie nachzusteigen und mit dem Hintergedanken, um diesen nicht zu benutzen.
   Letztes Jahr fertig gestellt, hat der Wohnwagen an den schönen Tagen eine Strecke von 3.000 km durch die Schweiz und das Elsaß zurückgelegt. Jeden Abend verbrachte Roussel an einem anderen Ort. Mitgebracht von dieser Reise hat er unvergleichbare Eindrücke.
   Dieses Jahr, seit dem Frühling, ist er wieder unterwegs, um sich nach Lust und Laune einer fantastischen Vagabundiererei hinzugeben, auf der Suche nach immer wieder neu zu entdeckenden Sensationen.

Abb. 6
Die Abteilung für das Personal, am Tag, abends , drei Liegen zum Ausklappen,
im Grunde ein Schlafsaal.


   Die Lösung für ein uneingeschränktes Camping durch das Automobil verschlingt offensichtlich(1) nicht jegliches Budget. Man ist völlig überrascht davon, dass gerade diejenigen, die die Möglichkeit hätten, das in die Praxis umzusetzen, dies völlig ignorieren.
   Es wäre wünschenswert, dass das von Raymond Roussel gegebene Beispiel verstanden und bei vielen Genießern Schule machen würde, und dass der Tag komme, an dem zahlreiche rollende Häuser über die Straßen der Welt fahren zur größten Freude der Besitzer.

(1) Sei es für die Version eines selbstfahrenden Wohnwagens, sei es für
die Version eines Wohnanhängers zum ankoppeln an ein Automobil.

F. T.


> Zu der Ausstellung von Raymond Roussel  
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