B i r g i t   K a n n e n






Der Tanz des Himmels mit der Erde

 

 


I
ch möchte Sie auch ganz herzlich zu der Ausstellung von Diana Prokot begrüßen. Es ist der Tanz des Himmels und der Erde, der Tanz der Sonne mit dem Mond, bei dem Schmuck eine ganz besondere Rolle im Austausch spielt, wie uns alte asiatische Kulturen erzählen. Schmuck und dessen Herstellung dient der Balance, dem Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde und so auch der Balance zwischen den Menschen und den kosmischen Kräften. Zum Austausch von Beziehungen, zum Ausdruck von Nähe und Freundschaft, bei besonderen Familienanlässen wie auch Übergangsriten, Initiationen oder bei der Hochzeit wird Schmuck überreicht - oder auch um Streit zu schlichten.

   Durch die Lichtbrechung in Kristallen sehen manche Völker den Dialog mit den übernatürlichen Kräften. Ihre Kraft wirkt durch das Licht, das sich darin bricht. Die universellen Energieströme in Form von Licht und Farbe gehen in den Körper ein.

   Kristalle und Edelsteine stellen auch die Sterne als Symbole des Himmels dar. Diamanten werden in Indien zum Beispiel als die Tränen der Götter bezeichnet. Der Rubin (das kommt von dem Wort ruber - Rot) gilt als der Blutstropfen aus dem Herzen der Mutter Erde. Gold steht für die Sonne. Es ist ein besonders heißes Edelmetall. Goldschmieden kommen somit besondere Kräfte zu; sie werden als besondere Menschen angesehen, die das besonders heiße Edelmetall bearbeiten. Dies wird als ein bißchen gefährlich angesehen - es muß abgekühlt und mit den Kräften der Erde verbunden werden. Sie sind die Mittler zwischen Ober- und Unterwelt. Ihnen kommt daher eine ganz besondere Stellung zu. Bei solcher Bearbeitung von Edelsteinen und Gold werden zuweilen auch Riten mit Tanz und Musik abgehalten.

   Wenn Diana Prokot die Edelmetalle bearbeitet, läßt sie bei ihrer Arbeit nur positive Gedanken zu. Alle negativen Gedanken werden ausgeschaltet und vermieden, so daß nur positive Gedanken mit in die Arbeit einfließen.

   Hier in der Ausstellung sind etwa 50 Schmuckstücke zu sehen. Der Schwerpunkt ist dabei der Ring. Die meisten Arbeiten werden aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt. Sie werden so zu einer ganzen Konstruktion, zu einem ganzen Körper. Sie sind genietet und gelötet aus dünnen Metallblechen, die vorher auch auseinandernehmbar sind, sie werden dann aneinandergefügt.

   Es sind kleine Plastiken in rippenförmiger Konstruktion, und so wird eine Geschlossenheit immer wieder aufgebrochen. Sie besitzen eine Leichtigkeit und Lustigkeit. Durch die Aufbrechung der Geschlossenheit, durch diese Durchlässigkeit, wird auch ein freier Blick auf den Schmuckstein möglich, der sich frei entfalten kann.

   Viele Ringe bilden ein Ganzes. Es ist nicht ein Ringkörper mit einer Fassung, sondern aus vielen Teilen wird zusammen ein ganzes Objekt hergestellt - eine ganze Einheit.
Diana Prokot läßt das Licht ein- und ausatmen, sich bewegen, angepaßt in Gold, Silber und Weißgold. Die Leichtigkeit des Daseins der Stücke wird noch unterstützt durch das Metall Titan. Zum Beispiel bei einem Rosenquarzring oder bei "der Kühle in Strahlen mit hellblauem Topas". "Der Japaner" genannt.

   Konventionelle Edelsteine wie Rosenquarz und Rauchquarz und Steine, die wir aus den 50er Jahren kennen, werden die heutige Zeit geholt, also in einen modernen Zusammenhang gestellt.
Es entstehen spannende Dialoge zwischen den Metallen und den geschliffenen Edelsteinen. Amethyst, Chrysophras und Bergkristall stehen in einem neuen Zusammenhang, in einem anderen Licht da. Auch werden ungewöhnliche Mineralien von ihr bearbeitet, z.B. der Iolith - der blau-violette Stein. Es geht bei ihren Arbeiten um Harmonie und Disharmonie. Gold und Silber in Kombination mit dem Stein hebt sich von einander ab, bekommt eine Spannung und auch wieder eine Ausgewogenheit. Gold und Silber konkurrieren und harmonieren. Ihre Arbeiten sind zum Anfassen, Tragen, zum Anfühlen und es sind Dinge in Bewegung, das heißt: Es bewegt sich im Licht. Dabei werden Kleinkörper mit dem Edelstein auf einer Achse eingesetzt, die dann beim Tragen hin- und herschwingen. Wie der Ring in Bewegung, der sogenannte "Schiffchenring". Ihre Schmuckstücke sind vielfältig, verschieden und haben Witz und Humor. Z.B. der Autoring Chadilac mit den vier Rücklichtern.

   Sie erzählt auch Geschichten - zuweilen völkerverbindend. Vier Menschen aus verschiedenen Nationen malen ein Quadrat. Das verbindende Ergebnis ist dann ein Schmuckstück. Auch läßt Diana Prokot immer eine besondere Symbolik mit einfließen. Z.B. der Trichula-Anhänger, der klassische Dreizack aus dem indischen Kulturkreis, der die Einheit von Körper, Geist und Seele symbolisiert und ein Fruchtbarkeitssymbol als Anhänger mit bewegtem Stein.

   Die indische Schutzgöttin Devi bekommt einen eigenen Schutz, gleich einem kleinen Altar. Auf Schmuckstücken der indischen Göttin sind Familien-Gottheiten dargestellt, die oft auch in ländlichen Gegenden verehrt werden. Sie gelten auch als Fruchtbarkeitssymbol im jahreszeitlichen Zyklus für die Felder, also der Fruchtbarkeit der Erde, aber auch für die Fruchtbarkeit der Menschen.

   Die Kombination von Gold und Silber ist auch zu sehen im sogenannten "ungleichen Paar" (Ohrringe) und dem "Fenster mit Aussicht" - oder es wird die "Ansicht der ersten Aufteilung der Erde" dargestellt. Dieses Stück heißt "Jerusalem".

   Andere filigran gebaute Stücke mit integrierten Leuchtdioden aus der Reihe der "8 Nachtgroschen" erinnern an futuristische Architektur.

   Doch die Beweglichkeit im Licht, die filigrane Leichtigkeit der Objekte, den Tanz von Gold und Silber im Dialog mit den Edelsteinen als einheitliches Ganzes muß man auf sich selbst wirken lassen.

   Bei der Betrachtung der Stücke in dieser Ausstellung wünsche ich Ihnen viel Spaß.

 

 

> Text zu der Ausstellung von Diana Prokot
»Kann man tragen - Schmuckstücke« am Erdrand